Nachberichterstattung

Wir möchten uns bei allen bedanken, die gestern – trotz beschissenem Wetter, einer noch beschisseneren Route und noch viel beschisseneren Cops – mit uns auf die Straße gegangen sind, um gegen Staat, Nation, Kapital und die Auswirkungen der aktuellen Krise zu demonstrieren. Danke an Alle, die uns im Vorfeld und auch während der Demo supported haben!

Eine ausführliche Auswertung der Demonstration wird folgen. Solange gibt es hier eine Linksammlung mit Berichten, Fotos, Videos, etc. von der Demo:

Presse im Vorfeld: Neues Deutschland, Mannheimer Morgen
Presse: Mannheimer Morgen
Fotos: Anarchistische Gruppe Freiburg, „Die Beobachter“
Berichte: Antifaschistische Initiative Heidelberg (inkl. Fotos), Nigra (inkl. Fotos), „Ein Poesiealbum“, Anarchistischer Funke

Infoupdate II

Am kommenden Samstag, den 22.12., findet in Mannheim die Demonstration unter dem Motto „There is no alternative – Kapitalismus überwinden!“ statt. Obwohl die einzige vergleichbare Veranstaltung, eine Demonstration des A-Netzes vor einem Jahr in Karlsruhe, bei geringer Polizeipräsenz völlig ohne Zwischenfälle verlief, wird der Demonstration von Seiten der Stadt ein „Konfliktpotential“ unterstellt. Vor diesem Hintergrund und mit Verweis auf die vielen Menschen, die am letzten Adventssamstag ungestört einkaufen wollen, wurde die gesamte Innenstadt für Demonstrationen gesperrt.

Zwei Kooperationsgespräche waren eine Farce, da alle unsere Kompromissvorschläge von der Stadt abgelehnt wurden, das Ergebnis schien bereits vorher abgemacht. Eine politische Motivation für das Verbot liegt nahe, zumal bei den Gesprächen auch der Staatsschutz anwesend war.

Die Demonstration wird dennoch stattfinden und voraussichtlich vom Hauptbahnhof an der Innenstadt vorbei über den Stadtring zum Alten Messplatz führen. Gerade unter diesen Umständen ist es wichtig, dass wir am Samstag zeigen, was wir vom Versammlungsgesetz, Staat, Nation und Kapital halten.

Aktuelle Infos bekommt ihr am Samstag über unseren Twitter-Account: twitter.com/a_netz

Für den Fall, dass es Festnahmen gibt, steht der Ermittlungsaussschuss (EA) bereit, um euch zu supporten. Meldet euch auch beim EA, wenn ihr Festnahmen oder Übergriffe durch die Polizei beobachtet. Der EA ist über: 0152/55800219 erreichbar.

Es gibt inzwischen aus fast allen Teilen Baden-Württembergs Zugtreffpunkte, aus Freiburg und Bochum fahren Busse. Alle Infos zu gemeinsamen Anreisen finet ihr hier.

Im Anschluss an die Demo findet im JUZ Mannheim eine VoKü und im Anschluss an diese eine Soliparty für die Anarchistische Buchmesse 2013 in Mannheim statt.

Wir sehen uns am Samstag in Mannheim. Es gibt keine Alternative: Kapitalismus überwinden!

[改道] Gǎi Dào Sonderausgabe zur Demo

Die nunmehr 3. Sonderausgabe unserer monatlichen Zeitschrift, beschäftigt sich mit der am kommenden Samstag in Mannheim stattfindenden Demonstration. In der Ausgabe findet ihr eine Selbstdarstellung des Anarchistischen Netzwerks Südwest*, sowie ein Interview, welches wir mit Vertreter*innen im Vorfeld der Demonstration geführt haben. Des weiteren gibt es den Aufruf, mehrere Redebeiträge sowie einen schönen Text des amerikanischen crimetInc. Kollektivs zum Abschluss. Wie bei den beiden Sonderausgaben unseres kleinen Blättchens zuvor, wird auch diese in einer großen Auflage während der Demo verteilt.

Bevor wir euch viel Spaß beim Lesen wünschen, noch eine kleine Korrektur unsererseits: In die gedruckte Ausgabe haben sich leider ein paar kleine Fehler eingeschlichen. Die meisten betreffen nur Layoutkleinigkeiten, einer ist jedoch inhaltlicher Natur, weswegen wir das an dieser Stelle korrigieren und uns natürlich auch bei der* Autorin entschuldigen wollen. Der Text von vielleicht trägt richtigerweise den Titel: “Wer von der Krise redet…kann vom Geschlechterverhältnis nicht schweigen” und wurde auf dem Blog der Gruppe e*vibes aus Dresden erstveröffentlicht.

Nun aber wirklich viel Spaß beim Lesen und wir sehen uns hoffentlich zahlreich auf der Demonstration. Zu guter Letzt wie gewohnt, das Editorial zur Einstimmung: (mehr…)

Infoupdate

Die Mobilisierung zur Demonstration startet in die heiße Phase, in zweieinhalb Wochen werden wir in Mannheim auf die Straße gehen, um gegen die Auswirkungen der gegenwärtigen Krise und für eine Perspektive jenseits von Staat, Nation und Kapital zu demonstrieren.


Mobi-Aktion während der Abschlussgala der „European Finance Week“ am 23.11.2012 vor der Alten Oper in Frankfurt/Main

Die Demonstration findet im Kontext der „Es ist keine Krise, es ist das System!“-Kampagne, die im Herbst letzten Jahres gestartet ist. Im Rahmen dieser Kampagne fanden u.a. eine Demonstration in Karlsruhe, sowie mehrere Vorträge im ganzen Südwesten* und eine rege Beteiligung am M31-Aktionstag in Frankfurt statt. Die Kampagne wird nun mit der Demonstration in Mannheim unter dem Motto „There is no alternative – Kapitalismus überwinden!“ fortgeführt, weitere Veranstaltungen werden folgen.

In vielen Städten fanden bzw. finden Info- und Mobilisierungsveranstaltungen statt. Die genauen Termine findet ihr hier.

Aus Freiburg und Bochum wird es Busse zur Demonstration geben, aus einigen anderen Städten gibt es Zugtreffpunkte. Genaueres dazu findet ihr hier.

Falls ihr den Aufruf unterstützen oder Mobi-Material bestellen möchtet, dann könnt ihr einfach eine e-Mail an demo(ät)a-netz.org schreiben.

Wir sehen uns in Mannheim!
Denn es gibt keine Alternative: Kapitalismus überwinden!

Weiter geht’s!

There is no alternative – Kapitalismus überwinden!

Seit über 4 Jahren befindet sich die Weltwirtschaft in der schwersten Krise seit langem. Einhergehend mit einer massenhaften Verelendung, Arbeitslosigkeit und allgemeinen Verschärfung der Lebensbedingungen, spitzt sich diese auch in Europa – vor allem in Griechenland, Spanien und Portugal – immer weiter zu. Immer neue, schärfere und größere Sparprogramme und Rettungspakete sollen den Kapitalismus vor dem Zusammenbruch bewahren.

Das Drohszenario der Kredit- und Schuldenkrise dient der aus Europäischer Kommission, IWF und EZB bestehenden Troika zur Legitimation eines angeblich alternativlosen Spardiktats. Diese verordnete Sparsamkeit führt dazu, dass die „Sparsünder“ geradezu kaputtgespart werden. Die Folge sind massivste Einschnitte in Gesundheits- und Sozialsysteme, die die Menschen in Ländern wie Portugal, Italien, Griechenland und Spanien oftmals an den Rand ihrer Existenz drängen. Während in diesen Ländern immer wieder Widerstand in Form von Streiks und Massenprotesten gegen das EU-Krisenregime aufkommt, sieht die derzeitige Lage im „Exportweltmeisterland“ Deutschland, das bisher als Gewinner aus der Krise hervorgeht, ganz anders aus:

Die gegenüber anderen EU-Ländern aggressive Krisenpolitik der Bundesregierung ruht auf einer soliden Basis aus Gewerkschaften, die dem Standort Deutschland sozialpartnerschaftlich verbunden bleiben, einer Opposition, die sich herzergreifend um den „deutschen Steuerzahler“ sorgt, sowie nationalistischen Ressentiments in weiten Kreisen der Bevölkerung. Chauvinistische Parolen und Pauschalisierungen, wie bspw. die “griechische Regierung müsste endlich mal ‘ihre Hausaufgaben machen’” (Westerwelle) oder das Bild des „faulen Griechen“ (Bild-Zeitung), stoßen in weiten Teilen der deutschen Öffentlichkeit auf Zustimmung.

Zwar beteiligten sich hierzulande im vergangenen Jahr mehrere Tausend Menschen an antikapitalistischen Protesten wie dem europaweiten M31-Aktionstag oder auch Blockupy, doch von einem breiten Widerstand gegen das EU-Krisenregime in Deutschland kann bisher keine Rede sein. Während von der einen Seite nationalistische Stammtischparolen zu hören sind, beklagt man sich in linksliberalen Kreisen über die entfesselten Märkte und sehnt sich nach einem „gezähmten“ Kapitalismus. Mit Tobin-Steuer, Bankenverstaatlichung und einem soliden Sozialstaat soll der scheinbar vom rechten Wege abgekommene „Finanzmarktkapitalismus“ wieder in eine „produktive“, „schaffende“ soziale Marktwirtschaft überführt werden, von der angeblich alle profitieren würden.

Eine solche Kritik läuft Gefahr, letztlich mit moralischen Schuldzuweisungen Ressentiments zu bedienen. Verursacht wurde die aktuelle Krise jedoch nicht von spekulierenden Banken, Manager*innen oder den „Sozialschmarotzern“. Sie ist vielmehr ein immer wieder – mal mehr, mal weniger regelmäßig – auftretender fester Bestandteil des Kapitalismus.

Der Kapitalismus ist die einzige Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der der Überfluss an Gütern ein Problem darstellt. Unverkäufliche Güter können zum Ruin ihrer Besitzer*innen führen und schlussendlich zu einer Überproduktionskrise. Gleichzeitig gibt es aber auch Menschen, denen es am Nötigsten fehlt und die nicht in der Lage sind, das einzige worüber sie verfügen – ihre Arbeitskraft – zu verkaufen.

Dies führt zu der absurden Situation, dass Lebensmittel, welche nicht verkauft werden können, auf der Müllhalde landen, während andernorts Menschen Hunger leiden. Oder dass zum Beispiel in Spanien neue Häuser gebaut wurden, die nun leer stehen, da sie sich niemand leisten kann; gleichzeitig steigt die Zahl obdachloser Menschen an.

Die Produktivkräfte (sprich, die Maschinen zur Produktion von Gütern) waren in der Menschheitsgeschichte noch nie so weit entwickelt wie heute. Es wäre durchaus möglich, in einer Welt, die weder Hunger und Krieg noch Leid oder andere existentielle Ängste kennt, zu leben. Dazu wäre es nur notwendig, die Produktion der Güter bedürfnisorientiert und vernünftig in die eigenen Hände zu nehmen. Der Kapitalismus ist aber weder das Eine noch das Andere, sondern Willkürherrschaft der Warenproduktion. Im Kapitalismus zählt nur die Verwertung des Wertes, sprich das Erwirtschaften von Profit, um diesen sogleich wieder zu reinvestieren, aber nie die Bedürfnisse aller Menschen.

Anstelle dieses kapitalistischen Überlebenskampfes und dem aus ihm erwachsenen Krisennationalismus setzen wir uns für eine antinationale Solidarität zwischen allen Menschen ein, die unter den Lasten des kapitalistischen Alltagswahnsinns leiden. Alternativlos für ein Ende des alltäglichen Elends sind für uns nicht Spardiktate oder Haushaltskonsolidierungen sondern einzig „Die Überwindung aller Verhältnisse, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ (Marx).

Wir setzen uns ein für eine Welt, in der die Menschen ihr Zusammenleben nicht mehr nach den Zwecken von Konkurrenz und Verwertung in nationalstaatlichen Grenzen ausrichten, sondern selbstbestimmt und solidarisch in freier Vereinbarung zusammenleben. Wir wollen darum keinen „besseren“, vermeintlich „sozialeren“ Kapitalismus, sondern gar keinen!

Wir sind uns bewusst, dass ein Umsturz der Verhältnisse in Europa und erst recht in Deutschland derzeit alles andere als greifbar scheint. Trotzdem, und gerade deswegen, wollen wir unsere Kritik am Bestehenden am 22. Dezember 2012 in Mannheim auf die Straße tragen und das EU-Krisenregime sowie den kapitalistischen Alltag zumindest punktuell delegitimieren.

Denn es gibt keine Alternative: Kapitalismus überwinden!
Für eine solidarische, herrschaftsfreie Gesellschaft!

Antikapitalistische Demo | 22. Dezember 2012 | 15 Uhr | Mannheim HBF

Wenn ihr den Aufruf unterstützen wollt, schreibt einfach eine e-Mail an: demo(ät)a-netz.org